Zeitungen vergessen: Pflege ist nicht nur ein Thema des Alters

In der Sonnabend-Ausgabe der Berliner Morgenpost nahm sich eine Journalistin der Themen häusliche Pflege und Familienpflegezeitgesetz an. Sie machte dabei denselben Fehler, den auch die Politik ständig wiederholt. Sie vergaß, dass es neben dementiell erkrankten und alten Menschen noch weitere Gruppen gibt, die täglich auf die Hilfe und Pflege ihrer Angehörigen angewiesen sind: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Menschen mittleren Alters.

Wir nahmen die Artikel zum Anlass, online einen Leserbrief an die Redaktion zu schicken. Eine Reaktion haben wir bisher nicht erhalten, veröffentlicht ist er ebenfalls nicht.

Daher stellen wir den Leserbrief hier gerne noch einmal zur Verfügung:

„Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrte Frau Fricke,

vielen Dank, dass Sie in der gestrigen Ausgabe das Thema häusliche Pflege gleich in zwei Beiträgen behandelt haben.

Nur schade, dass Sie (mal wieder) nur die Gruppe der Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen in den Fokus genommen haben, die bereits von Politik und Medien gesehen werden: alte Menschen und Menschen mit demenziellen Erkrankungen.

Sie finden unbestritten nicht genug Beachtung in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion und die aufopferungsvolle Arbeit der Angehörigen kann gar nicht hoch genug anerkannt und wertgeschätzt werden. Es gibt jedoch weitere Gruppen, die bei allen bisherigen Überlegungen und auch Konzepten, wie zukünftig die Pflege in Deutschland aussehen soll und auch wie der Beitrag der Angehörigen besser berücksichtig werden kann, komplett vergessen wurden und werden: die Kinder.

Neben ihnen gibt es weitere „Randgruppen“, die oft unberücksichtigt bleiben, etwa junge Erwachsene oder Erwachsene, die durch andere Umstände auf Hilfe und Pflege angewiesen sind.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Pflegestufe sowie ihre Angehörigen erfahren wenig bis gar keine Beachtung in der Politik und öffentlichen Berichterstattung. Gerade hier in Berlin ist ihre Versorgung in Teilen gefährdet und Informations- und Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige sind ungenügend vorhanden.

Ebenfalls schade ist, dass Sie auf bestehende und finanzierte Beratungsangebote in unserer Stadt, wie etwa die Pflegestützpunkte oder die Kontaktstellen PflegeEngagement, die in jedem Bezirk vorhanden sind (!), nicht hinweisen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie zukünftig ihren Blick und damit auch den Blick der Leser erweitern, wenn es um dieses Thema geht und den Lesern zu Ihren Beiträgen mehr Zusatzinformationen bieten würden.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Groth,
Mutter eines schwerstpflegebedürftigen Kindes
Vorsitzende des Kinder Pflege Netzwerk e.V.
Berlin-Beauftragte des Kindernetzwerk e.V.“

 

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