Was tun, wenn die Kasse zum Pflegedienstwechsel drängt?

Mit Hinweis auf das Wirtschaftlichkeitsgebot versuchen Kassen immer mal wieder, ihre Versicherten zum Wechsel des Pflegedienstes zu einem billigeren Anbieter zu bewegen. Das geschieht zunächst meist mündlich und dann mehr oder weniger „druckvoll“.

Viele Versicherte sind im wahrsten Sinne des Wortes verunsichert und möchten sich ungern von dem vertrauten Pflegedienst trennen, nur weil ein anderer Pflegedienst günstiger (was nicht unbedingt besser bedeutet) sein soll.

Darf die Kasse auf bestehende Pflegeverträge einwirken und ggf. die häusliche Versorgung gefährden?

Zunächst empfiehlt es sich, die Kasse dazu aufzufordern, ihr Ansinnen schriftlich vorzutragen und auf telefonische oder mündliche Aufforderungen nicht zu reagieren.

Aufgrund des Sachleistungsprinzips sind Preisverhandlungen nicht Sache der Versicherten, sondern der Kasse. Im Rahmen des Leistungsrechts haben Pflegebedürftige allerdings ein Wunsch- und Wahlrecht hinsichtlich des Pflegedienstes und der Gestaltung der Hilfe, soweit sie angemessen sind (§ 2 Abs. 2 SGB XI). Dies ist eine wesentliche Voraussetzung zur Führung eines menschenwürdigen Lebens bei Pflegebedürftigkeit.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als zu versuchen, den Aushandlungsprozess in dieser Dreierkonstellation aktiv und möglichst im Sinne seines Kindes zu gestalten.

Familien mit einem pflegebedürftigen Kind erleben immer wieder krisenhafte Situationen

Die Kassen versuchen zunehmend über das Preisargument Einfluss auf die Wahl des Pflegedienstes zu nehmen

„Schlagende“ Argumente könnten die vorhandene Qualifizierung des Personals sein. Im Sinne einer nachhaltigen und guten Pflege darf (kein Rechtsanspruch!) man sich auch dafür interessieren, ob denn das Personal gut bezahlt wird und wieviel Personal denn grundsätzlich bereit steht, um beispielsweise eine lückenlose 24Stunden-Betreuung sicher zu stellen.

Für Eltern von Kindern mit besonderen Versorgungserfordernissen sind auch die Antworten auf folgende Fragen von Interesse: Wie wird die Einarbeitung gestaltet? Haben die Pflegenden regelmäßige Teambesprechungen? Bekommen sie Supervision angeboten bei Krisen? Mit welchen Nebenkosten oder Eigenleistungen ist zu rechnen? Ist der Pflegedienst Mitglied im Bundesverband Häuslicher Kinderkrankenpflege oder/und anderweitig verbandlich organisiert, z.B. beim Pflegerat (beim DBfK)?

Bei einem vertrauensvollen Verhältnis zum Pflegedienst kann man vielleicht Verabredungen treffen, wie man gemeinsam der Kasse gegenüber treten kann. Dabei gilt es zu bedenken und auch gegenüber der Kasse zu vertreten, dass ein einseitiges Preisdiktat der Kasse keine gute Basis für gute Pflege sein kann.

Wenn die Kasse beabsichtigt, einseitig Leistungen über eine Vertragsänderung zu kürzen, muss sie das gemäß § 33 SGB X schriftlich anzeigen.

Und schlussendlich gibt es da ja auch noch das Wunsch- und Wahlrecht hinsichtlich der Krankenkasse, bei der man versichert sein will (§ 175 SGB V) …

 

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