Medizinischer Dienst verneint Rehafähigkeit bei geistiger Behinderung

Angehörige von behinderten Kindern haben viele Hürden zu nehmen, um ihrem Kind eine ganzheitliche Versorgung zu ermöglichen: ärztliche und medizinische Versorgung, Therapien, Hilfsmittel, Bildung uvm. fordern von Eltern eine hohe Dialogfähigkeit und Frustrationstoleranz.

Viel zu oft müssen Eltern für die Rechte ihrer behinderten Kinter kämpfen.

Viel zu oft müssen Eltern für die Rechte ihrer behinderten Kinder kämpfen. by_Teerapun

Ist unter den gesundheitlichen Störungen ein geistige Behinderung, werden Genehmigungs- und Erstattungsverfahren mitunter zum Spießrutenlauf. In einem konkreten Fall aus Hamburg entschied der Medizinische Dienst bei einem körperlich und geistig schwerbehinderten Kind, dass bei einer ausgeprägten geistigen Behinderung keine Rehafähigkeit für einen multimodalen Rehaansatz bestehen würde. Aua!

Aber wie wehrt man sich gegen einen derartigen Bescheid und vor allem gegen eine moralisch sehr fragwürdige Einstellung?

In Hamburg stellte der Vater Arnold S. Strafanzeige gegen den Medizinische Dienst und führte in der Begründung Verstöße gegen die UN-Behindertenrechtskonvention, die Menschenwürde gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes, Vernachlässigung der ärztlichen Sorgfaltspflicht und Körperverletzung an.

Die Staatsanwaltschaft leitete kein Ermittlungsverfahren ein, weil dazu in erster Linie keine Zuständigkeit gesehen wurde und aus förmlichen Gründen. Rechtsstaatlichkeit funktioniert nicht ohne Spielregeln, keine Frage. Eine inhaltliche Auseinandersetzung in der Sache scheiterte am Formalismus. Schade!

Ach ja: nach zahlreichen Widersprüchen wurde die Reha dann doch noch genehmigt, mit sechswöchiger Verzögerung. Als Folge sind die Knie des Kindes steif und müssen in monatelanger Therapie wieder gerade gebogen werden. Das Kind musste sich einer weiteren schmerzhaften Operation unterziehen.

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein recherchiert nun wegen der Vernachlässigung der ärztlichen Sorgfaltspflicht.

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