Pflegende Angehörige sind häufig stark belastet

Häusliche Pflege bedeutet häufig eine körperliche und psychische Be- bzw. Überlastung. Das geht aus der Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der R+V Versicherung hervor. Nicht neu ist die Erkenntnis, dass Pflege vor allem in der Familie stattfindet. 62 % der Deutschen, die pflegebedürftige Angehörige haben, kümmern sich selbst um die Betreuung. Davon sind zwei Drittel Frauen. Mehr als ein Drittel der pflegenden Frauen wiederum kümmern sich allein um die Pflege. Bei pflegebedürftigen Kindern dürfte der Anteil noch höher liegen. Mobile Pflegedienste nimmt nur ein kleiner Teil in Anspruch.

Die Herausforderung Pflege geht nicht spurlos an den Betroffenen vorüber. Die seelische und körperliche Belastung ist nicht unerheblich. Von Frauen wird die seelische Belastung stärker betont als von Männern. Für viele dreht sich zunehmend alles um die Pflege und zieht die soziale Isolation nach sich. Ein großer Teil des Lebens ist für die pflegenden Angehörigen durch die Pflege geprägt. Pflege und Beruf ist für viele nicht gut zu vereinbaren. Nicht ohne Grund sind gerade unter den pflegenden Frauen viele, die ihre Berufststätigkeit eingeschränkt oder aufgegeben haben.

by Stockimages

by Stockimages at FreeDigitalPhotos.net

Die Wahrscheinlichkeit, sowohl zu pflegen als auch selbst pflegebedürftig zu werden, ist bei Frauen höher. Stellt die Kinderanziehung an sich schon eine „Karriere-Risiko“ dar, bedeutet die Übernahme der häuslichen Pflege häufig sogar das Ende oder einen drastischen Einschnitt in der Erwerbstätigkeit. Aufgrund der unterbrochenen Erwerbsbiografie tragen Frauen somit auch ein höheres Risiko im Alter von Armut betroffen zu sein. 69 Prozent der pflegenden Frauen sorgen sich über die weitere Entwicklung der Situation. 57 Prozent fürchten, dass sie künftig die Pflege nicht mehr schaffen. Viele haben Angst vor einer Eskalation der Situation.

Pflege kostet Zeit, Kraft und Nerven – und belastet die Partnerschaft. Für die meisten Frauen ist Pflege so arbeitsintensiv wie ein Halbtagsjob: 53 Prozent der pflegenden Frauen verbringen täglich drei Stunden und mehr mit der Pflege. Doch auch bei berufstätigen Frauen sind es noch 37 Prozent, die diesen Pflegeaufwand jeden Tag zusätzlich leisten. Und das häufig jahrelang: 40 Prozent der pflegenden Frauen sind zwischen drei und zehn Jahren mit Pflege beschäftigt, 9 Prozent sogar länger als 10 Jahre. Bei ihnen wird es sich häufig um Mütter pflegebedürftiger Kinder handeln.

Auch wenn sie Unterstützung bekommen, die meisten Pflegeaufgaben bleiben an den Frauen hängen – das sagt die große Mehrheit von ihnen, ob berufstätig oder nicht. Das bleibt nicht ohne Folgen: Pflege belastet ihre Partnerschaft, berichten 40 Prozent der pflegenden Frauen, die einen festen Partner haben. Die psychische Belastung wiegt insgesamt deutlich schwerer als die körperliche. Zwei Drittel der pflegenden Frauen ziehen die Bilanz, dass die Pflege sie psychisch stark oder sogar sehr stark belastet – unabhängig von Alter, Zeitaufwand und Pflegestufe des Angehörigen.

Viele Familien leisten die Pflege zu Hause zunächst, ohne die Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen. Die Pflegeversicherung deckt die Kosten nur teilweise. Daher decken viele die Finanzierungslücke aus eigener Tasche oder müssen Hilfe zur Pflege beantragen.

Pressemitteilung der R + V vom 04.12.0212

Dieser Beitrag wurde unter Alles, Nachrichten abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.