Partnerschaft mit dem Mehrgenerationenhaus Phoenix

Unsere Vorsitzende gab dem Mehrgenerationenhaus Phoenix ein Interview. Anlass war die Veröffentlichung aller Mehrgenerationenhäuser Berlins in einer Broschüre unter dem Titel „Mein erweitertes Zuhause“

Wo und welche Versorgungslücken sehen Sie in Bezug auf pflegebedürftige Kinder und deren Familien?
Ich halte es für sehr bedenklich, dass Information und Versorgung davon abhängen, in welchem Bezirk eine Familie wohnt oder bei welcher Kasse sie versichert ist. Und natürlich sind die einzelnen Menschen entscheidend, die eine Familie beraten oder denen die Familie häufig auch zufällig begegnet, beispielsweise im Krankenhaus oder in der Kita.

Ich fordere seit Jahren für pflegebedürftige Kinder und deren Familie mehr kurzzeitige stationäre Betreuungs- und Versorgungsangebote, sogenannte Kurzzeitpflegeplätze. Der Bedarf der Familien in Berlin ist bisher nicht erfasst, differenzierte Angebote fehlen, so für dauerbeatmete Kinder oder Kinder mit einem sehr hohen allgemeinen Betreuungsbedarf. Viele Träger bieten solche Entlastungsmöglichkeiten nicht an, weil sie sich nicht oder nur schwer »rechnen«. Dies alles führt dazu, dass Familien mit pflegebedürftigen Kindern einen gesetzlichen Anspruch nicht oder nur in sehr begrenzter Zahl einlösen können, obwohl er ihnen zusteht. Dabei brauchen diese Familien so dringend regelmäßig Entlastung.

Welche Forderungen haben Sie an die Politik?
Manchmal liegt’s gar nicht zuvorderst an der Politik. Verwaltung kann ganz viel gestalten, wenn sie will und man ihr die notwendigen Spielräume lässt. Die Politik kann natürlich offen sein für die Wünsche und Nöte der Familien und kann sie transportieren. Die Betroffenen formulieren ihre Forderungen ja nicht, weil ihnen langweilig ist, sondern weil sie Versorgungslücken tagtäglich am eigenen Leib erfahren. Politik kann auch versuchen, darauf Einfluss zu nehmen, dass Zuständigkeiten nicht unüberwindbare Barrieren bleiben, wenn es darum geht, möglichst schnelle und kreative Lösungen zu finden um Versorgungslücken zu schließen. Unser Sozialsystem ist ohne Frage gut, aber es ist hochgradig administriert und damit viel zu oft sehr weit entfernt von denen, für die es gedacht ist. Politik kann und sollte in diesem Zusammenhang einen Beitrag leisten, dass sich Einstellungen ändern und Mitmenschlichkeit nicht nur eine individuelle Entscheidung ist.

Das Phenix ist Partner des Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Das Phoenix ist Partner des Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Welche Aufgaben und Funktionen kann ein Mehrgenerationenhaus für Familien mit pflegebedürftigen Kindern übernehmen?
Ein Mehrgenerationenhaus ist wie ein großer Marktplatz für sehr unterschiedliche Interessen und Generationen. Ich habe in meiner Vereinstätigkeit schon häufig erlebt, dass sich neue Türen öffnen an Stellen, an denen ich nie damit gerechnet hätte. Daher fällt es mir nicht schwer, mir ein Mehrgenerationenhaus als Wundertüte vorzustellen, dass Überraschungen auch für Familien mit »besonderen« Kindern bereithält, etwa in Form von Teilhabe, Inklusion und Wissenstransfer.

Was schätzen Sie am Phoenix besonders?
Um beim Bild der Wundertüte zu bleiben, hat es mich positiv überrascht, dass sich Phoenix am Netzwerk pflegebedürftige Kinder und ihre Familien im Bezirk Steglitz-
Zehlendorf beteiligt, was ja auf den ersten Blick nicht selbstverständlich ist. Aber ein Mehrgenerationenhaus zeichnet auch aus, dass es nicht nur für positive Freizeiterlebnisse aller Generationen zur Verfügung steht, sondern ebenso Raum bietet für die Lösung von Problemen im Kiez. Jede und jeder hat die Wahl, ob sie oder er »nur« Nutznießer eines regionalen Angebots zur Begegnung sein möchte oder sich darüber hinaus auch für die Gesellschaft engagiert.

Mehr zum Mehrgenerationenhaus Phoenix ab S. 30 (pdf 1,38 MB)

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