Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff mal wieder vor dem Aus?

Gestern meldete die Rheinische Post, dass es wahrscheinlich – mal wieder – nichts werden wird mit einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff.

Bereits seit Jahren herrscht Einigkeit darüber, dass die Einteilung der Pflegestufen – und damit die Zugangsvoraussetzungen zu Leistungen der Pflegeversicherung – überarbeitet werden muss. Seither kann man das „großartige“ Scheitern aller Versuche (oder sind es etwa nur Schein-Versuche?) beobachten, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zu entwickeln und einzuführen.

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Schande den Scheinheiligen. Wieder droht die Einführung eines neuen Pfleebedürftigkeitsbegriffs zu scheitern. (c)robbrucker@flickr via photopin

Was dabei am meisten aufregt ist die Scheinheiligkeit, mit der die beteiligten Akteure beteuern, dass sie ja alle guten Willens sind – um dann mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, die bremsen, verhindern, nur ihre eigenen Interessen verfolgen. Jetzt sollen die Krankenkassen schuld an der erneuten Verzögerung sein. Gut, das nächste Mal, wird es dann eine andere Fraktion sein ..

2,5 Mio. pflegebedürftige Menschen in Deutschland, davon knapp 1,2 Mio., die allein von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden gepflegt werden, sind doch wohl Argument genug, um sich endlich mal am (konstruktiven!) Riemen zu reißen, Herrschaften! Oder habt endlich den Mut zu sagen, dass Krankheit, Pflege- oder Hilfebedürftigkeit ausschließlich Privatsache ist und erstickt an dem vielen Geld, das im System ist.

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2 Antworten auf Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff mal wieder vor dem Aus?

  1. A. Nonym sagt:

    Der Bericht der RP bekam heftigen Widerspruch, den die Ärztezeitung zusammenfasst: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/pflege/article/839426/definition-erarbeitet-neuer-pflegebeduerftigkeitsbegriff-soll-juni-kommen.html
    Falls irgendwann mal wirklich die Bedarfsgrade die Pflegestufen ersetzen, soll damit vor allem mehr Geld für Demenzkranke zur Verfügung gestellt werden. Dass Kinder mehr bekommen sollen, habe ich noch nirgends gelesen. Zur Zeit geht’s darum, in 3 Pflegestufen einzuteilen. Nach einer Reform soll es 5 Bedarfsgrade geben. Zur Zeit gibt es viele Klagen, dass das Prinzip der Einstufungen unübersichtlich sei. Nach einer Reform werden, so sieht’s seit 2009 aus, auch die GutachterInnen die Ermittlung des Bedarfsgrads einer Software überlassen müssen…

    • Claudia sagt:

      Es gibt unterschiedliche Informationen zum Stand der Entwicklung und Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. So stellt es auch ein Artikel der Rheinischen Post vom 27.05.2013 (http://nachrichten.rp-online.de/politik/neues-konzept-fuer-die-pflege-gesucht-1.3424614) klar.

      Natürlich stehen bei vielen Überlegungen Menschen mit Demenzerkrankungen im Fokus. Solange jedoch Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz von Neuerungen profitieren – wie übrigens auch jüngst mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz – bleibt die Debatte auch für Familien mit pflegebedürftigen Kindern interessant. Demenz als Anspruchsgrundlage für Leistungen der Pflegeversicherung zu definieren, würde der bisherigen Logik des Gesetzes widersprechen und zudem Menschen mit anderen Erkrankungen diskriminieren.

      „Ziel ist, endlich die kognitiv beeinträchtigten Menschen in die Pflegeversicherung gleichberechtigt aufzunehmen“, so der Vorsitzende des zuständigen Expertenbeirats der Bundesregierung, der Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller laut Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/politik/pflege-umfassende-reform/8257530.html). Demnach soll die Versicherung künftig weit stärker für Menschen mit Beeinträchtigungen im Wissen, Verstehen und Denken da sein.

      Wir bleiben aufmerksam!

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