Haushaltshilfe oder Pflegedienst

In der Regel schielt jeder Kostenträger nur danach, dass er aus seinem Topf möglichst wenig leisten muss – ganz unter dem Motto: wenn ich´s nicht zahle, muss halt ein anderer zahlen.

In einigen Fällen kann man jedoch eine „Zusammenarbeit“ beobachten, die dann allerdings nicht einen anderen Kostenträger, sondern die Versicherten belastet. Ein solcher Fall besteht zum Beispiel, wenn die Hauptpflegeperson (in der Regel die Mutter) aufgrund einer eigenen Erkrankung ausfällt und Unterstützung in Form einer Haushaltshilfe benötigt.

kein Beinbruch, denn es gibt die Haushaltshilfe (c) ciotka @flickr via @photopin

kein Beinbruch, denn es gibt die Haushaltshilfe (c) ciotka @flickr via @photopin

Die Haushaltshilfe ist ein gesetzlicher Anspruch aus § 38 SGB V (Krankenversicherung). Die Krankenkasse hat die Kosten einer Haushaltshilfe zu übernehmen, wenn ein/e Versicherte/r den Haushalt nicht selbst weiterführen kann, keine andere im Haushalt lebende Person einspringen kann und ein Kind unter 13 Jahren oder mit Behinderung im Haushalt lebt. Die Haushaltshilfe beinhaltet die Versorgung des gesamten Haushalts und schließt etwa bei der Beschaffung und Zubereitung der Mahlzeiten alle üblicherweise im Haushalt zu versorgenden Personen ein.

Eine bestehende Pflegestufe verhindert nicht den Anspruch auf Haushaltshilfe 

Nicht selten verweisen die Krankenkassen bei im Haushalt lebenden pflegebedürftigen Kindern dann auf die Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI (Pflegeversicherung) mit dem Argument, wenn die Mutter die Versorgung des Haushalts nicht selbst übernehmen könne, kann sie auch die häusliche Pflege nicht leisten. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass bei Bezug des Pflegegeldes gemäß § 37 SGB XI die häusliche Pflegehilfe – auch im Krankheitsfall der Hauptpflegeperson – selbst beschafft wird und die darin enthaltenen hauswirtschaftliche Versorgung nicht gleichzusetzen ist mit einer vollumfänglichen Haushaltsführung im Sinne der Haushaltshilfe nach SGB V.

Geben Eltern diesem „Angebot“ für die Inanspruchnahme eines Pflegedienstes im Rahmen des SGB XI nach, verzichten sie ohne Rechtsgrund auf den unabhängig bestehenden Anspruch auf Haushaltshilfe nach SGB V und riskieren dazu noch die Kürzung des Pflegegeldes! Die Kassen üben hier mitunter erheblichen „Druck“ aus. Das ist unzulässig und sollte nicht toleriert werden. Ggf. kann man sich ja an eine „höhere“ Etage oder die Versichertenvertreter wenden.

Kennt Ihr andere Fälle, in denen die Kassen „die Preise drücken“?

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2 Antworten auf Haushaltshilfe oder Pflegedienst

  1. kirsy71 sagt:

    Uns ist es gerade genauso ergangen: Sohn hat Pflegestufe 1, ich bin risikoschwanger und sollte eine Haushaltshilfe erhalten. Die Krankenkasse machte erheblichen Druck, da ich die Pflege nicht mehr übernehmen könnte, einen Pflegedienst für unseren Sohn statt einer Haushaltshilfe für alle kleineren Kinder uns ins Haus zu schicken. Wir lehnten ab, drei Tage später rief der MDK an, er käme morgen zur Wiederbegutachtung, wir sollen mit Kind da sein. Ich habe abgelehnt, der nächste Termin erfolgte mit sagenhaften 5 Tagen Vorankündigung. Zum Glück habe ich zwei Wochen vorher ein neues Gutachten anfertigen lassen, dennoch habe ich keine Ahnung, wie die Begutachtung ausgefallen ist. Ich habe das Gefühl, das ist Schikane seitens der Kranken-/Pflegekasse.

  2. Sylvia Kunze sagt:

    Auch ich kann davon ein Lied singen.
    Zwar pflege ich „nur“ meinen Ehemann. Aber ich hatte auch Haushaltshilfe beantragt, da ich eine ambulante Knie-OP geplant hatte.
    Mir wurde erklärt, dass das mit der Haushaltshilfe nicht geht, da die Voraussetzung fehlt. Soweit so gut. Nur statt mir die Möglichkeit einer Verhinderungspflege anzubieten, kamen da Unterlagen zur „Kurzzeitpflege ins Haus, mit Rechtsmittelbelehrung“ geflogen. Dabei wurde ich ja nur ambulant operiert und war wieder zu Hause. Nur zur Pflege und das drum herum benötigte ich zusätzliche Hilfe. So läuft das. Entweder denkt da keiner mit, oder die wollen uns wirklich für dumm verkaufen. Ich musste dann darauf hinweisen, dass es auch die Möglichkeit der Verhinderungspflege gibt. Zum Glück haben wir 3 erwachsene Töchter, die mich bei der Pflege, unterstützen. Aber nach dem Motto, mal sehen wie wir unsere Versicherten nach unseren Wünschen hinbiegen können. Es ist irgendwie traurig, wenn ich als Betroffene/r mehr Fachwissen haben muss als die sogenannten Fachberatern der KK.
    Mit freundlichen Grüßen
    Sylvia

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