Fortsetzung des Pflegedialogs unter dem neuen Gesundheitsminister

Der Pflege-Dialog ging weiter – Bericht von der Dialogveranstaltung des Bundesministeriums für Gesundheit zum Thema Pflege

Am 18. Mai 2011 fand die fünfte Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Pflege-Dialog“ statt. Etwa 80 Personen waren in den Lichthof des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) geladen, um über die Zukunft der Pflege zu beraten. Vier Themen wurden an acht moderierten Tischen zu je zehn Personen diskutiert: Fachkräftemangel, Entbürokratisierung, Ehrenamtliches Engagement und Demenz.

Pflegende Angehörige haben die kleinste Lobby

Als pflegende Angehörige einer schwerst pflegebedürftigen Tochter nahm ich das Angebot zum Dialog gerne an, war doch die größte Gruppe der Pflegenden, nämlich die der pflegenden Angehörigen, in den bisherigen Veranstaltungen des „Pflege-Dialogs“ nach meiner Wahrnehmung nicht ihrer Zahl entsprechend repräsentiert gewesen. Unter den vier Teilnehmern der Expertenrunde konnte lediglich die Geschäftsführerin des Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. als Vertreterin der pflegenden Angehörigen gelten. Unter den Teilnehmern waren rund 45% beruflich mit dem Thema Pflege befasst, knapp 22% vertraten die Gruppe der pflegenden Angehörigen und/oder ehrenamtlich in der Pflege Tätigen. Weitere knapp 19% vertraten Unternehmen, die sich mit dem „Problem Pflege“ aus Arbeitgebersicht befassen (müssen), der Rest hatte keine Berührungspunkte mit dem Thema oder nahm selbst Pflegeleistungen in Anspruch.

Die Pflege eines Angehörigen ist nicht gleichzusetzen mit ehrenamtlichem Engagement

Was mich nachdenklich stimmte, war, dass die Pflege durch (Familien)Angehörige vom Veranstalter mit dem Ehrenamt gleichgesetzt wurde. Nichts gegen das Ehrenamt, wo wäre unsere Gesellschaft ohne ehrenamtliches Engagement? In der Pflege hingegen spielt es eine untergeordnete Rolle. Ehrenamt ist eine auf Freiwilligkeit basierende Tätigkeit in der Freizeit, also z.B. die Vorlese-Stunde im Altenheim, einmal in der Woche nach Feierabend. Ehrenamt ist in der Regel nicht Hauptbeschäftigung und -sinn des eigenen Lebens. Für pflegende Angehörige hingegen ist „Pflege“ oftmals lebensbestimmend. Von Freiwilligkeit und Freizeitbeschäftigung kann sehr häufig bei weitem nicht die Rede sein.

Mehr Anerkennung für pflegende Angehörige und auch an die rund 4% Pflegebedürftigen unter 20 Jahre denken

Man kann nicht auf der einen Seite sagen: „Ohne pflegende Angehörige wäre das Problem nicht zu stemmen.“ und auf der anderen Seite beklagen, dass es an Hochachtung für pflegende Angehörige fehle, wenn selbst im Zentrum der politischen Entscheidung pflegende Angehörige keinen eigenen Stellenwert haben.

Ich muss wohl nicht betonen, dass auch bei dieser Veranstaltung „Pflege“ ausschließlich im Kontext mit Demenz und Alter behandelt wurde. Ich sehe ein, dass pflegebedürftige Kinder und Jugendliche „mangels Masse“ nicht die politische und gesellschaftliche Diskussion zum Thema Pflege und die zukünftige Ausgestaltung der Pflegeversicherung bestimmen können. Aber sie und ihre Familien dürfen nicht vergessen werden. Für sie bestehen die gleichen Ansprüche aus der Pflegeversicherung wie bei erwachsenen und demenziellen „Pflegefällen“.

Die Pflegeversicherung ist immer nur eine Teilversicherung und muss mehrheitsfähig sein

Bereits in der Begrüßung und Einleitung zu der Veranstaltung verwies der Sprecher des BMG darauf, dass die Pflegeversicherung immer nur eine Teilversicherung sein kann und die Höhe der Leistungen vom gesellschaftlichen Konsens abhängig ist. Die Balance zu finden zwischen dem, was gewünscht wird und dem, was bezahlbar ist, stellt eine große Herausforderung dar. Ich hoffe, dass trotz dieser großen Aufgabe ein ernsthafter Versuch unternommen werden wird, Pflegende im Allgemeinen und pflegende Angehörige im Besonderen entsprechend ihrer Leistung besser anzuerkennen und zu unterstützen.

Claudia Groth, Vorsitzende des Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Mehr zur Veranstaltung

Dieser Beitrag wurde unter Alles, Erfahrungen, Nachrichten abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.