Das Kinder Pflege Netzwerk hatte Besuch

Sören, dass Maskottchen vom Pflegeblogger, war als Job-Reporter zu Besuch. Hier sein Bericht.

Am 22.12.2010 kam ich am frühen Nachmittag bei Claudia in Berlin an. Claudia ist Mutter einer achtjährigen Tochter mit Pflegestufe 3. „Pflegende Angehörige“ ist doch keine Berufsbezeichnung, oder? Und mein Auftrag lautet doch, Praktika in gesundheitsbezogenen BERUFen zu absolvieren und von meinen Erfahrungen als „Jobreporter“ zu berichten!

Gott sei Dank gehöre ich ja nicht zu den Schafen Leuten, die sich (vor)schnell eine Meinung bilden. Und nach meinem Aufenthalt hier muss ich sagen: Angehörigenpflege ist ein Vollzeitjob mit Dauer-Bereitschaftsdienst und BERUFung! Aber alles der Reihe nach.
Sören in Berlin

Ankunft beim Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Mit meiner Freundich kam ich ziemlich durchgefroren in Berlin an. Claudia hat gleich beim Öffnen unseres Reisevehikels erkannt, dass wir vor Kälte zitterten. Den vorhandenen Reiseproviant hatten wir zum größten Teil nicht angerührt. Naja, man will ja auch nicht nur von Süßigkeiten leben. Claudia empfing uns mit den Worten: „Willkommen bei einer Vertreterin der größten Gruppe unter den Pflegeberufen, den pflegenden Angehörigen.“ Mäh, so hatte ich das noch nie gesehen.

Wir bekamen von ihr erst einmal eine warme deftige Suppe und eine wärmende Anwendung auf der Heizung. Sie wusste, was in diesem Moment an Pflege nötig war. Nachdem die Lebensgeister durch die Heizungswärme wieder beisammen waren, half ich sogleich beim Ausfüllen der vielen Formulare für die Krankenkassenförderung für den Kinder Pflege Netzwerk e.V.. Ihr müsst nämlich wissen, Claudia ist ´ne ziemlich rührige Frau. Bei ihr dreht sich alles um „Pflege“.

Sören betrachtet den Flyer vom Kinder Pflege Kompass

Sören betrachtet den Flyer vom Kinder Pflege Kompass

Vor anderthalb Jahren initiierte sie den Kinder Pflege Kompass. Er stellt Familien mit pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen Informationen zur Pflegeversicherung und zu stationären Entlastungs- und Unterstützungsangeboten bundesweit zur Verfügung. Claudia musste nämlich selbst vor ein paar Jahren feststellen, dass es nur wenige Einrichtungen gibt, die kindgerechte Pflege-Angebote bereitstellen und so stellte und stellt sie ihre Erfahrungen anderen Eltern im Netz unter www.kinderpflegekompass.de zur Verfügung.

Im Oktober 2010 gründete sie dann mit anderen engagierten Menschen den Verein Kinder Pflege Netzwerk, eine bundesweite Selbsthilfeorganisation, die auf die Situation von pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen und ihre Angehörigen aufmerksam machen will und pflegenden Eltern Unterstützung bietet. Bei der öffentlichen Diskussion zum Thema Pflege werden die Kinder und Jugendlichen nämlich allzu oft vergessen. Es geht meist um die demografische Entwicklung, demenzielle und altersbedingte Erkrankungen und den Fachkräftemangel in der (berufllichen) Kranken- und Altenpflege. Mir war das zuvor gar nicht so bewusst, aber als ich mal genauer darauf achtete, musste ich ihr Recht geben.

Sören betrachtet die Homepage des Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Sören betrachtet die Homepage des Kinder Netzwerk e.V.

Mann, Mann, Mann, wie viel Papier es auszufüllen gilt für einen Zuschuss zur Selbsthilfeförderung für das Kinder Pflege Netzwerk durch die Krankenkassen. Viel Schreibkram gab es auch für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt für Körperschaften zu erledigen. Und die Homepage www.kinderpflegenetzwerk.de des mittlerweile eingetragenen Vereins galt und gilt es auch zu befüllen. Der Verein hat sich viel vorgenommen, um Familien mit pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen zur Seite zu stehen und mit Informationen zu versorgen. So sind u.a. auch Seminare und Vorträge vorzubereiten, die der Verein anbieten wird um die Situation von Familien mit pflegebedürftigen Kindern zu verbessern.

Viel Papierkram für das Kinder Pflege Netzwerk

Viel Papierkram für den Kinder Pflege Netzwerk e.V.

Wenn Kathi, die Tochter von Claudia zu Hause ist, bleibt keine Zeit für die viele ehrenamtliche Arbeit. Dann steht das Telefon still, der Rechner wird heruntergefahren und das Sammeln von Informationen für den Kompass oder das Netzwerk, das Ausfüllen von Anträgen, Seminarvorbereitungen und dergleichen ruhen. Dann schlüpft Claudia in die Rolle der Mutter und pflegenden Angehörigen und kümmert sich nur noch um die nichtsprechende Tochter. Der Hilfe- und Pflegebedarf ihrer Tochter erstreckt sich auf alle Teilbereiche der häuslichen Pflege, also Körperpflege, Mobilität, Ernährung. Wenn Kathi gerade keine Grundpflege benötigt, muss sie trotzdem beaufsichtigt werden, da sie eine therapieresistente Epilepsie hat und daher immer und überall mit einem Anfall zu rechnen ist. Außerdem ist sie in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt und muss ständig betreut werden. Da bleibt keine Zeit, noch irgendetwas anderes „nebenher“ zu machen.

Die nächsten Tage waren gekennzeichnet von Weihnachtsvorbereitungen und –festlichkeiten und dem Jahreswechsel. Ich habe die Feiertags-Schmausereien zusammen mit meiner Freundin sehr genossen und musste die nächsten Tage erst mal etwas kürzer treten, was das Essen anging …

Anpassen der Einlagen beim Orthopädietechniker

Anpassen der Einlagen beim Orthopädietechniker

Ab der zweiten Januar-Woche ging es dann mit voller Kraft wieder weiter. Ich durfte Kathi und ihre Mutter bei dem einen oder anderen Termin begleiten. Wir waren beim Orthopädietechniker, der Kathi Einlagen für Ihre Schuhe anpasste, damit es mit dem Laufen vielleicht noch ein bisschen besser klappt. Neben den Therapien in der Schule bekommt Kathi auch am Nachmittag noch Therapien, um ihre Muskulatur zu stärken und vielleicht doch noch Sprache anzubahnen. Ich sah bei der Physiotherapie zu und lernte bei der Logopädie die Therapiehündin Clea kennen. Erst hatte ich ja ein wenig Angst, aber die Hündin ist wirklich schaflammfromm und freundlich. Die Logopädin arbeitet mit Kathi unter anderem mit großen Schaltern, die das Kind auch mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten bedienen kann, und mit Symbolkarten.

Therapiehündin Clea bei der Logopädie

Therapiehündin Clea bei der Logopädie

Es gibt viel zu terminieren und zu organisieren. Die häusliche Pflege verlangt ebenso wie die ambulante und stationäre Pflege viel Schreibarbeit und Büroorganisation. Rezepte müssen besorgt werden, Ernährungs- und Anfallsprotokolle geschrieben werden, Medikamentenpläne geführt werden, Windeln bestellt werden, Belege bei der Kranken- und Pflegekasse eingereicht werden, Stundenzettel für die Verhinderungspflege und zusätzlichen Betreuungsleistungen unterzeichnet werden. Claudia hat mir die vielen Ordner gezeigt, die durch die Krankheitsgeschichte und Pflegebedürftigkeit ihrer Tochter schon gefüllt worden sind. Sie hat mir gesagt, man darf den Humor nicht verlieren und dass sie hofft, noch lange die Kraft zu haben, die Tochter zu pflegen und ihr Engagement für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche und ihre Familien aufbringen zu können.

unterstützte Kommunikation mit Talker und Symbolkarten

unterstützte Kommunikation mit Talker und Symbolkarten

So ein Pflegedienst, eine Apotheke oder eine Redaktion haben irgendwann Feierabend. In der häuslichen Pflege ist davon nichts zu spüren. Claudia hat immer Dienst sobald ihre Tochter zu Hause ist. Auch nachts muss sie ihre Tochter lagern oder während eines Anfalls vor Verletzungen schützen.

Ich habe wieder viel Neues kennen gelernt und bin erstaunt, was „Pflege“ alles bedeuten kann. Und die Reise geht ja weiter! Jetzt freue ich mich auf Herborn. Ich bin sehr gespannt, was ich alles bei Musik auf Rädern erleben werde. Martin, der Pflegeblogger, hat schon mal durchblicken lassen, dass ich von einem kleinen Generations-Event berichten soll ….

Abschied vom Geschwisterkind

Abschied vom Geschwisterkind

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