Das ändert sich 2015 in der häuslichen Pflege

Das Erste Pflegestärkungsgesetz entfaltet ab dem kommenden Jahr seine Wirkung. Ab 01.01.2015 gelten die nachfolgend vorgestellten Änderungen.

Die wichtigsten Änderungen des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes aus der Sicht pflegebedürftiger Kinder und Jugendlicher im Überblick

Pflegegeld, Pflegesachleistung und zusätzliche Betreuungsleistungen

Die bisherigen Beträge werden um vier Prozent aufgestockt.

Pflegestärkungsgesetz_Leistungen

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Die in der Tabelle aufgeführten Beträge für die zusätzlichen Betreuungsleistungen können (nur) als Sachleistung bei zugelassenen Leistungsanbietern in Anspruch genommen werden. Sie können jetzt aber auch für die hauswirtschaftliche Versorgung oder für die organisatorische, beratende oder emotionale Unterstützung pflegender Angehöriger eingesetzt werden.

Wer die monatliche Pflegesachleistung gewählt und diese nicht voll ausgeschöpft hat, kann den nicht genutzten Betrag bis maximal 40 % ebenfalls für Betreuungs- und Entlastungsleistungen einsetzen, sofern die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung sichergestellt sind

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Die Kurzzeitpflege kann weiterhin bis zu vier Wochen, die Verhinderungspflege künftig bis zu sechs Wochen im Jahr genutzt werden. Für sie steht jeweils ein jährlicher Betrag von 1.612 € zur Verfügung.

Die Kurzzeitpflege kann um den vollen Betrag der Verhinderungspflege – also auf 3.224 € – aufgestockt werden, sofern die Verhinderungspflege ansonsten nicht in Anspruch genommen wurde. In einem solchen Fall kann die Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen genutzt werden.

Auch Versicherte der Pflegestufe 0 können zukünftig die Kurzzeitpflege nutzen.

Der Anspruch auf Kurzzeitpflege in geeigneten Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen und anderen geeigneten Einrichtungen besteht ohne Altersbeschränkung, wenn die Pflege in einer von den Pflegekassen zur Kurzzeitpflege zugelassenen Pflegeeinrichtung nicht möglich ist oder nicht zumutbar erscheint.

Die Verhinderungspflege kann um den halben Betrag der Kurzzeitpflege – also auf 2.418 € – aufgestockt werden, sofern die Kurzzeitpflege ansonsten nicht in Anspruch genommen wurde.

Tages- und Nachtpflege

Der Anspruch auf teilstationäre Tages- oder Nachtpflege besteht ab 01.01.2015 in Höhe von 1.612 € neben dem Pflegegeld oder der Pflegesachleistung und gilt auch für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und der Pflegestufe 0. künftig in vollem Umfang neben ambulanten Sach- und Geldleistungen nutzbar

Pflegehilfsmittel

Die Leistungen für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel steigt auf 40 €. Sie gelten auch für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und der Pflegestufe 0.

Umbaumaßnahmen

Für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes können bis zu 4.000 € je Maßnahme in Anspruch genommen werden.

Wohngruppen

Bewohner/innen in ambulant betreuten Wohngruppen mit mindestens drei Pflegebedürftigen (mit einer Pflegestufe oder eingeschränkter Alltagskompetenz) erhalten pauschal 205 € monatlich zusätzlich, um eine gemeinschaftlich beauftragte Person zu finanzieren, die allgemeine organisatorische, verwaltende, hauswirtschaftliche, betreuende oder das Gemeinschaftsleben fördernde Tätigkeiten verrichtet. Auch Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und der Pflegestufe 0 können diese Leistung nutzen.

Zur Gründung ambulanter Wohngruppen stehen bis auf weiteres pro Person 2.500 € (maximal 10.000 € je Wohngruppe) für notwendige Umbaumaßnahmen in der gemeinsamen Wohnung zur Verfügung. Der Anspruch gilt auch für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz und der Pflegestufe 0.

Für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes in ambulant betreuten Wohngruppen kann der Zuschuss von bis zu 4.000 € je Maßnahme und Person mehrmals gewährt werden. Pro Maßnahme steht einer Wohngruppe ein Gesamtzuschuss von maximal 16.000 € zur Verfügung.

Bezahlte Pflegezeit für Angehörige bei akuten Ereignissen

Angehörige, die akut die Pflege eines Angehörigen organisieren müssen, können sich zehn Tage lang vom Arbeitgeber freistellen lassen. Die Pflegeversicherung zahlt in dieser Zeit mit etwa 90% des Nettolohnes ein sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld.

Das Bundesministerium für Gesundheit stellt eine Übersicht zu den Änderungen ab 01.01.2015 unter http://das-aendert-sich-2015.de/ zur Verfügung.

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14 Antworten auf Das ändert sich 2015 in der häuslichen Pflege

  1. Corinna sagt:

    Stimmen die Grundpflegeminuten bei PS 1 (aus meiner Sicht sind es mind. 46 Minuten und nicht 56) in der obigen Tabelle?
    Gab es da eine Änderung?
    LG Corinna

  2. Astrid sagt:

    Mein Vater hat Pflegestufe II und wird von meiner Schwester gepflegt, einschließlich einkaufen etc. Kann mir jemand erklären, ob ich dann Anxpruch auf 104 € zusätzlichen Betreuungsleistungen habe? Vielen Dank vorab.

    • Claudia sagt:

      Der Vater hat Anspruch auf die zusätzlichen Betreuungsleistungen und kann sie als Sachleistung in Anspruch nehmen.

      • Astrid sagt:

        Vielen Dank für die schnelle Antwort. Nur noch eine Frage. Wie sieht die Sachleistung aus? Kann man auch den Barbetrag geltend machen,da einkaufen etc. auch Benzin und Zeit kostet? Danke vorab.

        • Claudia sagt:

          Sachleistung heißt, dass ein zugelassener Dienst die Leistung erbringt und direkt mit der Kasse abrechnet. Es fließt kein Geld zusätzlich an den Pflegebedrüftigen wie beim Pflegegeld.

  3. Gudrun Streit sagt:

    Liebe Claudia,
    wie rechnet sich das mit der Verhinderungspflege und der halben Kurzzeitpflege?
    1.612 € + 806 € halbe Kurzeitpflege = 2.418 €, oder anders?
    Viele Grüße
    Gudrun

    • Claudia sagt:

      Liebe Gudrun,
      genauso. Für die Verhinderungspflege stehen dann bei einer Kombination mit der Kurzzeitpflege maximal 2.418 € zur Verfügung. Der Anspruch auf ´echte´ Kurzzeitpflege verringert sich dann entsprechend.
      Viele Grüße zurück.

  4. Burkart Elisabeth sagt:

    Sehr geehrte Berater,

    gilt Folgendes nur für neu zu organisierende Pflege oder gilt dies, wenn man eine Person schon lange pflegt und wegen akuter Krankheitsereignisse des zu Pflegenden nicht zur Arbeit kann?: „Angehörige, die akut die Pflege eines Angehörigen organisieren müssen, können sich zehn Tage lang vom Arbeitgeber freistellen lassen. Die Pflegeversicherung zahlt in dieser Zeit mit etwa 90% des Nettolohnes ein sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld.“
    Ab welcher Betriebsgröße gilt das?

    Viele Grüße
    Elisabeth Burkart

    • Claudia sagt:

      Sehr geehrte Frau Burkart,

      die Regelung des § 44a SGB XI (http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/44a.html) gilt für alle akut auftretenden Krankheitsereignisse – ähnlich dem Kinderkrankengeld. Das Pflegeunterstützungsgeld ist bei der Pflegekasse des zu Pflegenden zu beantragen. Eine bestimmte Betriebsgröße ist nicht vorgegeben, auch keine bestimmte Wochenarbeitszeit oder Entgelthöhe. Wichtig ist nur, dass es sich um ein echtes Beschäftigungsverhältnis handelt. Freiberuflich Tätige sind also ausgenommen :-(. Eltern pflegebedürftiger Kinder müssen damit rechnen, dass sie von der Pflegekasse auf das Kinderkrankengeld verwiesen werden.

      Viele Grüße
      Claudia Groth

  5. Manuela sagt:

    Hallo, was kann ich tun um eine Haushaltshilfe zu beantragen und welche Grundvoraussetzungen brauche ich dafür.
    Vielen Dank

    • Claudia sagt:

      Die Haushaltshilfe ist eine Leistung der Krankenversicherung (§ 38 SGB V). Eltern erhalten sie, wenn ihnen selbst – krankheits- oder behandlungsbedingt – die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist und keine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt weiterführen kann.

  6. Bibi sagt:

    Hallo Claudia,
    wir haben eine demenzkranke Oma mit Pflegestufe II. Wir haben bis jetzt für 2015 weder Verhinderungspflege noch Kurzzeitpflege noch Tagespflege in Anspruch genommen. Kann ich etwas davon auf 2016 übertragen? Ich kann es momentan nicht ausschöpfen, wir haben es noch nicht mal beantragt.

    • Claudia sagt:

      Hallo Bibi,
      von diesen Leistungen kann nichts in das Folgejahr übertragen werden. Wenn die Omi dazu noch eine eingeschränkte Alltagskompetenz hätte, könntet Ihr nicht ausgeschöpfte Mittel der sogenannten niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsleistungen in das erste Halbjahr des Folgejahres übertragen.

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